Speak easy – Minton, Wassermann, Lehn, Blume

Mi 03. Februar 2010


„Mintons volltönende Stimme vermag verstörende Geräuschkollagen hervorzubringen, während Ute Wassermanns vielstimmige Vokaltechnik Resonanzphänomene im Raum erzeugt; dazu Blumes differenzierte Perkussion und Thomas Lehns eigenwillige Klänge seines Analogsynthesizers. In dieser Konstellation entsteht eine physische Unmittelbarkeit wie sie nur selten erreicht werden kann.“ (zit. Hannes Schneider)„Mit dem Quartett SPEAK EASY (Ute Wassermann, Stimme, Thomas Lehn, Analogsynthesizer und der famose Schlagzeuger Martin Blume) kehrt der britische Sänger Phil Minton das Innerste nach außen, spült längst Verdrängtes an die Oberfläche. Da wird gebrabbelt, gebrüllt, gezischt und gesungen, da brodelt’s und es kochen die Gefühle, ein kleines Meisterwerk.“ (zit. [link]

04_02_10 Phil Minton_t.jpgPhil Minton ist einer der originellsten Vokalisten der zeitgenössischen Musik. Seit den frühen 60ern tourte er als Trompeter und Sänger u. a. mit dem Mike Westbrook Orchestra durch die ganze Welt. 1974 begann Phil Minton mit experimentellen Theatergruppen zu arbeiten. 1975 formierte er mit Maggie Nicols und Julie Tippett die Vokalgruppe Voice. Seit 1976 arbeitet er als Solist und in verschiedenen Formationen vor allem improvisierter Musik, u. a. im Duo mit Fred Frith, Roger Turner und Peter Brötzmann. Während der 80er Jahre beschäftigte er sich mehr und mehr mit Multimedia-Arbeiten, u. a. mit FM Einheit. 1987 begann die Zusammenarbeit mit Veryan Weston, die zu zahlreichen Projekten führte.
1988 wurde er vom International Jazz Forum zum besten Sänger Europas gewählt.
Präzise und volltönend vom authentischen Blues oder von einer Rossini-Arie in farbenprächtige Geräuschkollagen wechselnd, fesselt er sein Publikum und schafft magische Momente. Nichts wirkt aufgesetzt. Minton lebt in jedem Laut. Der Kritiker Markus Müller: „Er genießt den Blick über alle Genregrenzen hinweg … ob traditionelle Liedform oder Kehlkopfakrobatik im Stil des instant-composing, Mintons Stimme umfasst eben mehr als irgendwelche Oktaven, sie erarbeitet sich die ganze Musik, liebevoll manchmal auch ein bißchen respektlos … . Dass er diesen Fundus, dieses kollektive Stimmklanggedächtnis in all seinen Ausdifferenzierungen in zum Teil stupender Reaktionsschnelligkeit in den Diskurs der freien Improvisation einbringt, lässt die meisten Hörer … auch an Ihren Ohren zweifeln.“

Die Vokalartistin Ute Wassermann erforscht seit 1984 ihre eigenen 04_02_10 Ute Wassermann_t.jpgaußergewöhnlichen und vielstimmigen Vokaltechniken. Sie hat einen systematischen Katalog nach Klangfarben, Register und artikulativen Abläufen entwickelt. Ihr vielstimmiger Gesang erzeugt Resonanzphänomene im Raum. Nach Abschluss eines Studiums der Freien Kunst (Klanginstallationen & Performances) an der Hochschule für Bildende Künste, Hamburg 1989 und einer klassischen Gesangsausbildung bei u. a. Carol Plantamura ( San Diego) ist sie als Stimmsolistin auf Festivals in Europa, Australien und Asien aufgetreten, unter anderem bei: Münchener Biennale, Donaueschinger Musiktage, Pro Musica Nova, Wittener Tage für Neue Kammermusik, Ars Musica, Festival of Perth – Australien, Tokyo Summer Festival, Festival of Vision Hongkong, Wien Modern, Ultima Oslo. Sie arbeitet sowohl als Improvisatorin, als auch als Interpretin Neuer Musik, wobei sie zahlreichreiche für ihre Stimme geschriebene Kompositionen uraufgeführt hat, wie u. a. von Richard Barrett, Chaya Czernowin, Henning Christiansen, Hans-Joachim Hespos, Sven Ake Johansson, Michael Finnissy mit ASKO Ensemble, KNM Berlin, Elision (Australien), Münchener Kammerorchester, Basel Sinfonietta, Radiosymphonieorchester Wien und anderen.

04_02_10 Thomas Lehn_t.jpgThomas Lehn beschäftigt sich seit 1989 intensiv mit Analogsynthesizern, insbesondere mit dem EMS Synthi A. Tief verwurzelt in seiner Herkunft als Pianist klassischer sowie komponierter und improvisierter zeitgenössischer Musik hat er eine ausgeprägt eigene „Sprache“ live-elektronischer Musik entwickelt, deren innere Syntax eher akustisch-instrumental als elektronisch anmutet. Seine elektroakustischen Arbeiten leben von Brüchen und Kontrasten, von Spannungsbögen und strukturellen Zusammenhängen. Der studierte Jazz- und Konzertpianist pflegt einen bisweilen sprunghaften Duktus, ohne dabei die Konsequenz einer durchgehörten „Werk“-Logik preiszugeben. Die haptische Unmittelbarkeit, mit der er am analogen Synthesizer der Sechzigerjahre auf den Klang zugreift, trägt außerdem zum gestischen Eindruck seiner Performance bei. Wichtige seiner eigenen Projekte in den letzten Jahren waren KONK PACK mit Tim Hodgkinson und Roger Turner, sowie Futch mit Johannes Bauer und Jon Rose.

Martin Blume, dessen Spiel bestimmt wird „von einer filigranen Klangästhetik, deren04_02_10 Martin Blume_t.jpg treibendes Moment nicht bloß die rhythmische Energie, sondern vor allem der Zusammenklang mit den anderen Instrumentalisten ist“, hat seit Anfang der 80er Jahre im internationalen Kontext der Avantgarde von Jazz, Improvisierter und Neuer Musik in den unterschiedlichsten Formationen u. a. mit Musikern wie Peter Brötzmann, Peter Kowald, Johannes Bauer, Phil Minton, Lol Coxhill, Georg Gräwe, Jim Denley, Luc Houtkamp, Phil Wachsmann, John Butcher, Thomas Lehn, Xu Feng Xia, Ken Vandermark und Kent Kessler zusammenspielt. Seit 1988 leitet er hauptsächlich eigene Projekte, die ihn auf zahlreichen Konzerttourneen zu den weltweit wichtigsten Aufführungsorten und Festivals dieser Musik nach Holland, Belgien, Luxemburg, Frankreich, England, Dänemark, Schweiz, Österreich, Slowenien, Italien, USA, Kanada und Australien führten.

04_02_10 Speak easy_t.jpg
Phil Minton – Stimme http://www.philminton.co.uk
Ute Wassermann – Stimme http://www.elision.org.au/players/wassermann.html
Thomas Lehn – Analog Synthesizer http://www.thomaslehn.com
Martin Blume – Schlagzeug, Perk. http://www.martinblume.de

Einlass: 19:30 Uhr
Beginn: 20:00 Uhr
Eintritt: 14,-/10,- €, für Besucher bis 25 Jahre nur 5,- €

„Das Projekt wird vom HESSISCHEN MINISTERIUM FÜR WISSENSCHAFT UND KUNST und MAGISTRAT DER STADT HOFHEIM gefördert“