Borgenine + Permian + TBA [Progpalast]

Sa 07. März 2020


Eine neue Konzertreihe steht in den Startlöchern: Der Progpalast. Dabei geht es um alle Facetten progressiver Rockmusik. Mehr dazu später im Text.

BORGENINE
Irgendwo im vogelfreien Bereich zwischen den Sparten zieht ein innovatives Rock-Trio seit über zehn Jahren seine sehr persönlichen, progressiv-verworrenen Bahnen. Rythmen werden gegen den Uhrzeigersinn, mit musikalischen Ausschweifungen in alle Himmelsrichtungen durchflogen, jeder in seine, als würde es sie nicht kümmern. Dennoch erwarten uns keine hochtechnisierten Taktdeserteure, eher ein melancholischer Einsturzsoundtrack – ein zynischer Psychozirkus durch Illusion und Wahnsinn. So erzeugen die Offenbacher eine gewisse Düsternis, die stets von einem Augenzwinkern begleitet scheint, ohne dabei in den Hintergrund zu geraten. Hindurch schimmert ein charismatischer Gesang mit herzzerreißenden wie rauhen bis süßen Facetten. Die Kompositionen zeugen von einer leidenden Energie und einer dichten, goldschmiedenden Atmosphäre: Treibend und dramatisch, sich aber nicht mit humorvoller, unterhaltsamer Pantomime beißend. Was aus der Ferne wie eine Symbiose zwischen David Bowie und Tom Waits mit einem Touch von Tortoise wirken könnte, ist etwas näher betrachtet Borgenine und klingt einfach nach Borgenine.
https://www.backstagepro.de/borgenine1
https://borgenine.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/borgenine/

PERMIAN
Das erst 2018 zueinander gefundene Quartett geht einen recht eigenen Weg zwischen Postrock-Einflüssen, schräger Progrock-Ästhetik und Jazz-Sensibilitäten. Dieses Konstrukt lebt von luftigen Klängen und zupackender Vitalität. Obwohl die Musik der Südhessen mit vordergründigen Reizen geizt, entwickelt sie mit fortschreitender Dauer einen eigentümlichen, subtilen Sog. Ihr Mittel ist dabei eine fast entschleunigend anmutende Klangkunst, die sich weniger auf die rapiden Verbreitungsmöglichkeiten der digitalen Welt stützt, statt dessen entsprechend Zeit lässt, um ihre Wirkung in punktuellen Ausbrüchen zu entladen.
Mit großer Souveränität und beeindruckendem Schub lassen Permian die Finger über das Griffbrett fliegen, komplexe Taktgebilde die Felle schwingen, begleitet mit ausgefuchsten Akkord-Schichtungen – und überlassen ab und an verträumten Harmonien großzügig das Feld. Omnipräsent ist hierbei lediglich der unaufdringlich-präsente Groove, mit dem ein alter Wegbegleiter, Malte Hüther (Black Lizzard, Magnetic Mountain), an den Drums vorwärts drückt. Prädikat: Fett!
https://soundcloud.com/user-849892631

AUßERDEM
…ist eine dritte Band in Planung, zu der hier dann alle Infos zu finden sein werden, sobald
alles in trockenen Tüchern ist.

Einlass: 20:00 Uhr | Beginn: 20:30 Uhr | Eintritt: 11 € / 9 €

…Progpalast, haha, sehr lustig. Und was soll jetzte der Quatsch?
Also: Da man sich gegenwärtig ja gerne mit Genreoffenheit rühmt, wollen wir mal schauen, was da eigentlich dran ist. Wo beginnt Rockmusik, wo hört sie wieder auf und ab wann sorgen progressive Einflüsse für ihr Fortbestehen?
„Rockmusik hat sich seit den Beatles nicht weiterentwickelt!“ …Jaja, das kennen wir schon. Vermutlich ist sogar tatsächlich ein ordentlicher Prozentsatz des sich in der Unterhaltungsindustrie immer wieder selbst kopierenden Gitarre-Bass-Schlagzeug-Breis unter den fettigen Pilzmatten der milchgesichtigen Briten entstanden. Doch jenseits der massentauglichen Verkaufsmühlen, in denen Musikstücke mit Hilfe von Psychologen und Musikprofessoren „komponiert“ (wohl eher berechnet) werden, gibt es noch junge, hungrige Underdogs, deren Songs das Leben und die Liebe schreibt. Auch ein ‚genreübergreifendes Genre‘ wie der Eigenbegriff ‚Progrock‘, dessen Vertreter sich immer gegen die Zuordnung existierender Stile wehrten, muss sich heute eingestehen, vielleicht keine Schublade, doch zumindest ein Regalfach darzustellen. In ebenjenem Fach beginnt die progressive Rockmusik und endet – wenn überhaupt – irgendwo in den Weiten der musikalischen (Un-)Ordnung.