Charles Gayle & Han Bennink (Jazz)

Sa 24. April 2010


25_04_10 Charles Gayle_t.jpgCharles Gayle ist das Verbindungsglied zwischen der Gegenwart und dem Free Jazz Movement der 60er Jahre und er ist es auch wiederum nicht.

Vordergründig meint man beim Hören des Saxophonspieles von Charles Gayle die Stilverwandten aus dieser klassischen Zeit, allerdings ist es mehr die persönliche Stimme des Mannes aus Buffalo/New York, der seit den späten 60er Jahren in New York City lebt, eine Stimme so persönlich, wie es eben der Jazz gebietet bzw. einmal hat, denn mit den Persönlichkeiten ist es in letzter Zeit etwas dünn geworden.

Begonnen hat Charles in seiner Heimatstadt im Norden des Bundesstaates New York allerdings als Klavierspieler, und die großen Stilisten seiner Jugend haben ihn dabei natürlich am meisten beeindruckt (Hörbeispiele auf “Jazz Solo Piano” auf Knitting Factory Records, 2001). Als er sich in New York City niedergelassen hatte fand er schnell heraus, das es zwar sehr viele Auftrittsmöglichkeiten gab, er sich allerdings künstlerisch mit Vielen die da auf den Bühnen standen nicht wirklich zufriedengeben konnte.

Charles war gezwungen, seinen Lebensunterhalt oft mit Saxophonspielen auf den Strassen von New York zu verdienen und einem breiteren Publikum wurde der Individualist erst in den späten 80er Jahren durch seine Auftritte in der Knitting Factory bekannt. Nach einigen CD Veröffentlichungen auf dem Label der Knitting Factory sollte seine Reise als Bandleader erst richtig beginnen und es folgten Kooperationen auch mit allen namhaften europäischen Musikern der frei improvisierten Szene (siehe auch Ebba Jahns Film “Rising Tones Cross”).

Heute ist Charles Gayle sowohl als Saxophonist als auch als Pianist tätig und er hat im Jahr 2006 gleich 3 CDs als Bandleader bzw. Solopianist veröffentlicht. Danach eine CD mit dem inzwischen verstorbenen Schlagzeuger Rashied Ali und in jüngster Zeit hat sich Charles Gayle das Spielen am Kontrabass selber beigebracht.

Schlagzeuger und Multi-Instrumentalist Han Bennink wurde in Zaandam bei 25_04_10 Han Bennink_t.jpgAmsterdam im Jahre 1942 geboren. Sein erstes Schlag-Instrument war ein Küchenstuhl. Später wurde er von seinem Vater, einem Orchester Schlagzeuger, mit einem konventionellen Outfit versorgt.

In den 60er Jahren wurde Bennink in Holland schnell als ungemein vielseitiger Drummer bekannt. Als harter Swinger in der Tradition seines Helden Kenny Clarke, begleitete er Tourneen amerikanischer Jazz-Stars wie Sonny Rollins, Ben Webster, Wes Montgomery, Johnny Griffin, Eric Dolphy und Dexter Gordon. Er ist mit Gordon auf dem 1969-Album „Live in Amsterdam Paradiso“ zu hören und mit Dolphy auf 1964s „Last Date“.

Zur gleichen Zeit nahm Bennink an der Schaffung der europäischen improvisierten Musik teil. Mit Kollegen und niederländischen Pionieren, dem Pianist Misha Mengelberg und Saxophonist Willem Breuker, gründete er den kollektiven Instant Composers Pool im Jahr 1967.

Bennink besuchte eine Kunstschule in den 60er Jahren und ist auch ein erfolgreicher Künstler in verschiedenen Bereichen. Er entwarf das Cover für viele LPs und CDs, auf denen er erscheint. Bennink ist in der Galerie in Amsterdam Espace vertreten, und war Gegenstand von mehreren Ein-Mann-Shows, darunter eine auf der Gemeente Museum in Den Haag im Jahr 1995.

Im Jahr 1966 spielte er auf dem US Bennink Newport Jazz Festival mit dem Mengelberg Quartett. Ab den späten 60er Jahren und in den 70er Jahren arbeitete Bennink häufig mit dänischen, deutschen, englischen und belgischen Musikern zusammen, vor allem Saxophonist John Tchicai und Peter Broetzmann, Gitarrist Derek Bailey und dem Pianisten Fred van Hove. Han Bennink präsentierte außerdem seine Talente auf der Klarinette, Posaune, Sopran-Saxophon und vielen anderen Instrumenten, auch in einer Reihe von Solo-Alben, mit denen er im Jahre 1971 begann.

Von 1988-98 spielte Bennink im Clusone Trio zusammen mit dem Saxophonisten und Klarinettisten Michael Moore und dem Cellisten Ernst Reijseger, eine Band, die bekannt für ihren Freilauf-Mix aus swingenden Jazz-Standards, offenen Improvisationen und gefühlvollen Balladen war. Heute ist er häufig mit dem Quartett des Saxophonisten Tobias Delius und im Trio mit dem Pianisten/Keyboarder Cor Fuhler und Bassist Wilbert de Joode unterwegs und arbeitet immer noch gelegentlich mit Jazz-Koryphäen wie Johnny Griffin, Von Freeman und Ray Anderson zusammen. In den 90er Jahre spielte er unter anderem im Duo mit Mengelberg, Irene Schweizer, Myra Melford, Chadbourne, Dave Douglas und Ellery Eskelin zusammen.
Seit 2008 hat er sein eigenes Han Bennink Trio, bestehend aus Joachim Badenhorst auf der Klarinette und Simon Toldam am Klavier.

Charles Gayle – Saxophon
Han Bennink – Schlagzeug    http://www.hanbennink.com

Einlass: 19:30 Uhr
Beginn: 20:00 Uhr
Eintritt: 15,-/10,- €, für Besucher bis 25 Jahre nur 5,- €

„Das Projekt wird vom HESSISCHEN MINISTERIUM FÜR WISSENSCHAFT UND KUNST und MAGISTRAT DER STADT HOFHEIM gefördert“